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On and off

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Der National Christmas Tree steht jedes Jahr an der großen, grasbewachsenen Freifläche hinter dem Weißen Haus . Wenn man von der Pennsylvania Avenue Richtung National Mall unterwegs ist, kommt man beinahe zwangsläufig daran vorbei. Zu Beginn der Weihnachtszeit wird das mächtige Gewächs dekoriert und die Beleuchtung vom jeweiligen Präsidenten feierlich eingeschaltet, das Ganze wird sogar im Fernsehen übertragen. Rund herum stehen 50 kleinere Bäume, einer für jeden Bundesstaat, geschmückt mit Ornamenten, die von Schulkindern gefertigt wurden. Man kann also sagen, dass es sich beim Ritual rund um den Weihnachtsbaum um eines mit Symbolkraft handelt; eine Zeit der Friedfertigkeit beginnt, die Nation kommt zusammen, man hält inne. In Trump-Zeitalter ist das nicht mehr so. Im Trump-Zeitalter verweigert der Präsident die Unterschrift unter eine Anhebung der Schuldenobergrenze, sofern der Kongress nicht 5 Milliarden Dollar für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko bewilligt, die an...

Windkraft

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Tornados in den USA werden nach der sogenannten Enhanced Fujita-Skala (EF) gemessen. Mit Fokus auf die erreichten Windgeschwindigkeiten klassifiziert eine Einstufung nach dieser Skala den Grad der Zerstörung, der durch einen Tornado erzeugt wird. Ein Tornado mit EF0 kann Äste von Bäumen abreißen und bei einigen Dächern Ziegel lösen. Einer mit EF3 kann Stockwerke von hohen Gebäuden verwüsten, Züge umwerfen und Autos vom Boden abheben lassen. Das, was am 4. Mai 2007 über Greensburg, Kansas hereinbrach, war ein Tornado der Kategorie EF5. Über 1500 Menschen lebten damals in dem Ort. Elf davon starben an diesem Tag, es wären wohl mehr gewesen, wenn es nicht rechtzeitig einen Alarm gegeben hätte. 95% aller Gebäude in dem Ort waren dem Erdboden gleichgemacht. Greensburg, Kansas, war komplett zerstört. Irgendwann danach musste der Stadtrat darüber entscheiden, was nun geschehen sollte. Dass der Ort wieder neu erstehen sollte, war klar. Der Stadtrat beschloss, ein besonderes Zeichen zu s...

Zugriff auf die Bildschirme

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Als Russland 2014 die Ukraine überfiel und dem Land einige Regionen gewaltsam entriss, da schalteten die Ukrainer den annektierten Gebieten irgendwann den Strom ab, weil sie die Invasoren nicht unterstützen wollten. Der Verkehr konnte nicht mehr reguliert werden, Lebensmittel nicht mehr gekühlt und in Krankenhäusern fielen wichtige Geräte aus. Die Russen fuhren daraufhin einen Generator auf den zentralen Platz - und schlossen daran einen riesigen Monitor an. Die Dauerversorgung mit Propaganda aus dem russischen Fernsehen durfte nicht unterbrochen werden. Die kleine Episode illustriert, dass in autoritären Regimes die Übernahme der Kontrolle über die Medien eine zentrale Rolle spielt. Die Medien sind Vehikel und Instrument einer Demokratie, sie werden als Gegengewicht gebraucht. Die Pressefreiheit ist eines der höchsten Güter einer demokratischen Gesellschaft. In Nordkorea gibt es einen Staatssender und 26 Seiten im staatlich geregelten Internet, in den USA gibt es an jedem Ort hu...

Don't text and walk

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Das Problem der Handy-Nutzung beim Autofahren, inzwischen auch in Europa ein alltägliches und sehr gefährliches Ärgernis, war zuerst in den USA aufgetreten. Inzwischen scheint es uns schon ewige Zeiten her zu sein, dass dieses Phänomen neu war und es erstmals Menschen gab, die während einer Autofahrt unbedingt eine SMS schreiben mussten. Inzwischen hat sich das Problem erweitert. Nicht mehr nur Autofahrer greifen zum Handy, sondern auch Radfahrer und Fußgänger können immer öfter den Blick kaum vom Display lenken. Das hat an vielen Orten bereits zu schweren Unfällen geführt, eben weil Tinder wohl oft interessanter ist als eine Ampel. 2016 sind in den USA fast 6.000 Fußgänger bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen und viel zu oft spielte in diesen Fällen Unachtsamkeit eine Rolle. In einigen amerikanischen Städten haben sich die lokalen Behörden daher dazu entschieden, auch bei Fußgängern dafür zu sorgen, dass sich die Aufmerksamkeit auf die Vorgänge um sie herum richtet, nicht auf...

Ein Nachlass für alle

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Mehrere Jahre lang zog Rita Poe mit ihrem Pickup und ihrem glänzenden Airstream-Wohnwagen durch den Westen der USA. Tausende Fotos musste sie gemacht haben; Tiere, Pflanzen, Landschaften und sie musste tausenden Menschen begegnet sein in diesen Gebieten, die das ganze Jahr über Besucher aus aller Welt anziehen. Aber einen Zugang zu ihr hat wohl niemand von diesen Menschen gefunden und Rita Poe hat wohl auch nie Bedarf daran gehabt, dass es jemand versucht. Als Rita Ende 2015 verstarb - ihr Pickup parkte gerade in der Nähe des Olympic Nationalparks - da fiel die Aufgabe, ihr Erbe zu verwalten an Nancy Zingheim, Campingplatz-Verwalterin in Washington, die sie flüchtig kannte und ihr irgendwann versprochen hatte, sich um den Nachlass zu kümmern, wenn es mal so weit wäre. Nancy dürfte nicht schlechte gestaunt haben, als ihr klar wurde, womit sie es da zu tun hatte. Rund 800.000 Dollar galt es da zu verteilen und Rita hatte eine Liste gemacht mit den Empfängern. Auf der Liste: Zwölf...

Nepper, Schlepper, Freiheitsstatue

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Man wird zwar selten von Teppichhändlern belagert und in der Regel auch nicht von Taxifahrern übers Ohr gehauen, aber dennoch sind viele Orte in den USA auch Orte, an denen sich mit Touristen viel Geld verdienen lässt. Diese Tatsache wiederum verführt gelegentlich den einen oder anderen halbseidenen Anbieter, es auf die nicht hundertprozentig ehrliche Tour versuchen zu wollen. Gerade in touristischen Hotspots wie Orlando, New York oder Las Vegas muss man natürlich ein bisschen auf der Hut sein, wobei der gesunde Menschenverstand der beste Ratgeber ist. „ If it sounds too good to be true, then it probably isn’t “ lautet ein in Amerika gebräuchliches Sprichwort und es ist in der Tat eine gute Leitlinie. Ein Beispiel für eine Situation, in der Touristen leicht auf die falsche Spur gelockt werden können, ist der Besuch der Freiheitsstatue in New York . Als weltweit bekanntes Symbol Amerikas ist die Skulptur eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des ganzen Landes, jeden Tag int...

Totempfahl der Waffenkultur

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Rhode Island , der kleine Ocean State im Nordosten, hat eine Menge zu bieten, was Touristen aus Europa leider oft verborgen bleibt. Die Atlantikstrände wären da zu nennen; die schöne Küste, vor der oft und gut gesegelt wird und liebenswerte Städte wie Providence oder Newport. Manche Sehenswürdigkeit aber ergibt sich, hier wie an anderen Orten, erst beim zweiten Hinsehen. Vor dem Gerichtsgebäude in Providence zum Beispiel steht ein Betonpfeiler mit Rostflecken. Denkt man zumindest, bis man etwas genauer hinsieht. Dann entpuppen sich die Rostflecken als verrostete Pistolen. Handfeuerwaffen in Beton, das muss Kunst sein. Oder? Der Hintergrund des im Volksmund als "Gun Totem" bekannten Kunstwerks liegt in einer ziemlich pragmatischen und ziemlich erfolgreichen Idee. Michael P. Hirsh, ein Kinderarzt aus Neu-England, hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der sich auf den Straßen im Umlauf befindlichen Handfeuerwaffen zu reduzieren. Hirsh hatte selbst miterleben müssen, wie...

Utqiagvik

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Utqiagvik - das klingt ein bisschen so, als ob es sich um ein traditionelles indonesisches Reisgericht handelt oder um den Namen eines Bürodrehstuhl bei IKEA. Ist es aber nicht. Utqiagvik ist der neue Name des Örtchens Barrow, von dem sich vornehmlich Bilder wie dieses finden lassen. Das ist, genau genommen, sogar ein ziemlich charakteristisches. Denn wenn irgendwo hinter dem Ort Mitte November die Sonne untergeht, dann sieht man sie erst Mitte Januar wieder. Utqiagvik ist die nördlichste Stadt der USA. Rund 4000 Menschen leben hier, gut 60% davon sind Ureinwohner Alaskas und die Abgeschiedenheit ihres Wohnorts hat wahrscheinlich mit dazu beigetragen, dass uralte Traditionen sich hier besonders gut haben erhalten können.  Aber zurück zur Namensgebung. Ein paar Kilometer außerhalb der Kleinstadt liegt Point Barrow, der nördlichste Punkt der USA, von einem englischen Geographen 1825 nach einem ebenfalls englischen Admiral benannt. Der Ort bekam den fremden Namen sozusa...

TV-Demokratie

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Wir leben in Zeiten, in denen Umfragen nicht mehr so recht in der Lage zu sein scheinen, politische Stimmungen richtig zu interpretieren. Also müssen neue Maßstäbe und Orientierungspunkte her. Die New York Times, die ihrerseits seit dem 9. November gedanklich damit zu kämpfen hat, dass Außenseiter Trump die Wahl gewonnen hat, scheint diese Ankerpunkte nun gefunden zu haben - auf dem Fernsehbildschirm. Das sind die Robertsons. Die Robertsons betreiben in Louisiana eine Fabrik für Ententröten, also für Pfeifen, die den Lockruf von Enten imitieren. Das ungewöhnliche (übrigens millionenschwere) Unternehmen und die nicht minder ungewöhnliche Familie sind das Thema einer Reality-TV-Serie namens "Duck Dynasty", die seit 2012 im amerikanischen Kabelfernsehen läuft. Bei den Robertsons geht es in der Regel rustikal zu. Man ist bibelfest, man mag moderne Technik weniger gern und man mag es auch nicht besonders, wenn Frauen aus den ihnen zugedachten Rollen auszubrechen suchen....

Versandet

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Florida hat mehr als ein Pfund, mit dem es auf dem internationalen Tourismusmarkt wuchern kann, aber seine Strände spielen eine der wichtigsten Rollen. Sandstrand, möglichst weißer, wirkt in Werbebroschüren immer noch am Besten. Derselben Erkenntnis folgt man nicht nur in Miami Beach, sondern auch in so ziemlich jedem Ort entlang der Atlantikküste, der einen Zugang zum Meer vorzuweisen hat; ganz gleich ob in Florida oder Georgia, Virginia oder New Jersey. Um die typischen Bilder weiter vorweisen zu können, um das Gefühl vom warmen Sand auf der Haut vermitteln zu können, müssen diese Strandgemeinden aber immer mehr aufwenden und es ist nicht auszuschließen, dass es mancherorts diese Bilder gar nicht mehr geben wird. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass es die Strände eigentlich heute schon nicht mehr gibt. In den 1970er Jahren war der Strand von Miami Beach eigentlich schon so gut wie verschwunden, denn Welle auf Welle spült etwas vom Sand weg und lässt den Strand erodieren. A...

Amerika im November

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Ein Spielplatz in Brooklyn, New York, am 20.11.2016 Richard B. Spencer wird als Erfinder des Begriffs "Alt-Right" angesehen. "Alt-Right" ist, ganz grob, das was bei uns unter "Rechtspopulismus" zusammengefasst wird, wobei man die Definition auch noch weiter nach rechts verschieben kann. Es gibt Leute, die Spencer dem "White Supremacist"-Umfeld zurechnen, also jenen Leuten, die von der Überlegenheit der weißen Rasse überzeugt sind. Zu Alt-Right jedenfalls gehören neben Spencer auch Leute wie Stephen Bannon und Andrew Breitbart. Nach dem Tod des Gründers hatte Stephen Bannon die Leitung der Breitbart-Website übernommen und sie nicht nur zum Sturmgeschütz von Alt-Right ausgebaut, sondern auch zu der Nachrichtenschleuder im Netz, die maßgeblich zu Donald Trumps Sieg bei den Wahlen beigetragen hat. Im Oktober hatte die Seite 85 Millionen Zugriffe verzeichnet. " Ich habe das Zuhause der Alt-Right Bewegung gebaut ", hatte er stolz verk...

Wo die zweite Scheibe Käse auf dem Cheeseburger herkommt

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Es türmt sich ein gewaltiger Berg auf. Er besteht aus Käse und er wächst jeden Tag weiter. Ein erhellender Artikel bei Vox.com warf neulich ein Schlaglicht auf das kaum für möglich gehaltene Spannungs- und Interdependenzverhältnis zwischen China, amerikanischer Käseproduktion, Russland und dem Rückgang des Anteils der weißen Bevölkerung in den USA. Das alles fügt sich tatsächlich zusammen und diese Story geht ungefähr so: Mehr als 500 Millionen Kilo Käse lagern derzeit in Kühlhäusern überall im Land, das Ergebnis einer hemmungslosen, profitgetriebenen Überproduktion in den letzten Jahren. Diese wiederum war die Folge eines Aufschwungs für die chinesische Mittelklasse vor zwei Jahren, die sich in einem Heißhunger der Chinesen auf Milchpulver ausdrückte. Sicher auch auf andere Dinge wie Reisen nach Europa und Luxusuhren aus Schweizer Produktion, aber eben auch auf Milchpulver. Der amerikanische Farmer handelte schnell, kaufte Extra-Kühe und fuhr die Produktion von Milch hoch. Da...

Russlands Kolonie in Kalifornien

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Mehr als 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche bekamen die USA am 30. März 1867 dazu, als sie dem schwer in Geldnot geratenen russischen Zaren Alaska abkauften. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts hatten sich Russen in Alaska niedergelassen, sie lebten in aller Regel vom Pelzhandel - wobei sie die eingeborene Bevölkerung der Aleuten als Sklaven benutzten. Allerdings hatte man die Population der Otter, auf deren Fell es die Kolonialherren abgesehen hatten, ziemlich rasch so weit dezimiert, dass sich das Jagd-Business nicht mehr richtig lohnte. Auch das mit der Landwirtschaft wollte auf Alaska Boden nicht so recht funktionieren und so wurde es Zeit, sich nach neuen Möglichkeiten umzusehen. So fiel der Blick auf Kalifornien. Dort hatten die Spanier zu jener Zeit schon allerhand Kolonien errichtet und es ging ihnen nicht schlecht. Die Russen hatten mit den Spaniern zuvor schon so einiges an Handel getrieben und gemeinsam auf die Jagd gegangen war man an der kalifornischen Küste auch schon...

Gottes Botschaft

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Zu den Eindrücken eines Roadtrips durch die USA, besonders wenn man durch kleinere Orte kommt, gehören ein paar Dinge, die man zuerst als unbekannt wahrnimmt, die sich aber bald ganz selbstverständlich in den Gesamteindruck einfügen. Wassertürme sind solche Dinge, aber auch Tafeln mit Wechselbuchstaben, wie sie zum Beispiel vor Schulen stehen, aber besonders gerne vor Kirchen. Dort verkünden sie entweder das Wort Gottes oder Termine für die Kirchengemeinde. Meistens jedenfalls. Oder sie werden für ganz andere Botschaften genutzt und dienen damit als leuchtendes Beispiel dafür, dass man in Amerika mit manchen Themen eben ein bisschen ungezwungener umgeht. In diesem Beispiel etwa möchte man wohl mit einem Augenzwinkern die Schwellenangst senken und neue Schäfchen für die Gemeinde gewinnen. Letzteres ist vermutlich ein nicht ganz unwichtiger Faktor für die fantasievollen church signs im Land: Zum einen möchte man sich als weltoffen und modern präsentieren, als Ort der Gemeinschaft zu...

Ein digitaler Albtraum

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In der Mitte von Kansas geht es beschaulich zu. Es gibt viel Grün, dazwischen mal einen Wasserturm und ein paar Gebäude. Ein paar Leute verdienen ihr Geld mit Zulieferservices für die Ölindustrie, andere mit der Landwirtschaft. So richtig aufregend ist hier nichts. Sollte man meinen. Die Arnolds aus Potwin, Kansas sehen das allerdings etwas anders. Irgendwann vor rund 14 Jahren machte sich eine Firma daran, alle IP-Adressen, die es so gibt, zu Straßenadressen zuzuordnen. Das lief auch ganz gut; jedenfalls so gut, dass die dabei entstandenen digitalen Landkarten in den folgenden Jahren einige Verbreitung fanden. Dem Problem, dass man aber längst nicht alle IP-Adressen tatsächlich einem geographischen Ort zuordnen kann, entledigten sich die Kartographen auf etwas unelegante Art: Sie legten sie alle einfach auf einen Punkt, irgendwo ziemlich genau in der Mitte der USA.  Seitdem liegen rund 600 Millionen IP-Adressen im Vorgarten der Arnolds. Die wiederum gehobeneren Alte...

Der Verständiger

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Es ist ein überaus freundliches, sympathisches Gesicht, das einem auf der Website des Dallas Police Departments und an anderen Stellen begegnet. David Brown, so scheint es, lächelt eigentlich immer und auf manch einem Foto hat er eine Brille auf, die ein bisschen grotesk wirkt; so eine Brille, wie sie von Leuten getragen wird, die sich selbst nicht so ernst nehmen.  Brown ist seit 2010 Polizeichef von Dallas und hätte es jenen Tag im Juli 2016 nicht gegeben, dann wäre das außerhalb von Texas nur den wenigsten Leuten bekannt gewesen. Dann aber stand Brown plötzlich vor Dutzenden Kameras und musste erklären, was seine Leute herausgefunden hatten über einen Mann, der eine Protestveranstaltung gegen mutmaßlich rassistisches und gewalttätiges Vorgehen von Polizisten genutzt hatte, um Polizisten zu erschießen. Fünf starben in dieser Nacht. Schwarz, weiß, Morde, Polizei. David Brown ist nicht neu in dieser Welt, es scheint nur irgendwie ein besonders sarkastischer Schachzug des Schic...

Versteckte Juwelen

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Die Nationalparks sind wohl so etwas wie die Kronjuwelen des amerikanischen Tourismusangebots. Klar, den Grand Canyon, Yosemite oder Bryce Canyon muss man auch mal gesehen haben. Es ist allerdings leider so, dass die wenigsten Besucher sich ausreichend Zeit nehmen, um all die Schönheiten eines Nationalparks richtig zu erkunden. Meistens bleibt man ja doch in einem ziemlich engen Radius rund um das Besucherzentrum und da ist es entsprechend voll, vor allem während der Hauptreisezeiten.  Für fortgeschrittene USA-Touristen und als Alternative lohnt da ein Blick auf die State Parks. In allen 50 Bundesstaaten wurden State Parks eingerichtet, in einigen sogar mehr als 100. Auch diese sind oft äußerst sehenswert, aber nicht so überlaufen. State Parks werden von den Bundesstaaten verwaltet und dienen dem Naturschutz oder als Freizeitgelände. Sie haben zwar oft nicht die touristische Infrastruktur, wie man sie aus den Nationalparks kennt, dafür aber sind sie versteckte Schätze, in denen ...

Ein paar Gedanken zu Obamas Besuch in Deutschland

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Es war eine wahre Kakophonie, die über Deutschland hereinbrach, als Präsident Obama nach Hannover kam. Anti-Amerikanismus hat es schon immer gegeben in Deutschland, meist wenig beachtet und wenig überzeugend von überzeugten Altlinken, für die das Verabscheuen des amerikanischen Wesens so etwas wie ein letzter Halt war, nachdem sie selbst längst das Revolutionäre gegen die Einbauküche getauscht hatten. Aber neu dazugestoßen sind Neurechte, für die Amerika im Allgemeinen etwas schlechtes ist, weil sie glauben, dass "ihr" Deutschland fremdgesteuert und "unter Besatzung" ist. Ein Amerika unter einem schwarzen Präsidenten natürlich noch viel mehr. Die Ablehnung des Begriffs "Amerika" und des Landes USA, auch das planlose Geschrei gegen TTIP und der Rassismus in den sozialen Netzwerken, der in all diesem zum Tragen kommt, wird dieser Tage fleißig befeuert von Stimmungsmache und Finanzfluss aus Moskau. Doch dann geht es weiter. Da gibt es die Leitartikler und K...

Das Frontier-Phänomen

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Wenn man sich seit vielen Jahren intensiv mit den USA beschäftigt, dann fällt einem in 2016 vor allem auf, dass das Interesse an den politischen Entwicklungen hin zu den Präsidentschaftswahlen im November wohl noch nie so hoch war wie in diesem Jahr. Kein Newsportal kommt dieses Jahr ohne Sonderthema aus, keine Gemütsregung der Kandidaten bleibt ohne Erwähnung. Diese machen es den Journalisten aber auch leicht: Wird erstmals eine Frau ins Weiße Haus gewählt? Kommt der exzentrische Milliardär mit seiner aggressiven Rhetorik durch? Leider führt der Druck, viele Textspalten füllen zu müssen auch dazu, dass der Blick für das verloren geht, was dieser Wahlkampf und seine Ergebnisse uns über das Land sagen. Viel zu schnell wird Trump als loudmouth abgetan, seine Wähler als gestrige Einfaltspinsel. Cruz, das ist der Bibel-Fanatiker, Rubio war der Sonnyboy, Bush war ein Bush und Kasich war der Gute, was die Republikaner aber nicht erkannt haben. Und bei den Demokraten galt Sanders als d...

Wertvolle Lektionen

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Und noch einmal Baseball, diesmal aber aus einem völlig anderen Blickwinkel. Ein wirklich überragender Spieler war Adam LaRoche wohl nie, aber ein überdurchschnittlicher und trotzdem einer, der in Erinnerung bleibt. LaRoche ging immer seinen eigenen Weg, eckte auch mal an. Seit 2004 spielte er in der höchsten Liga, für insgesamt sechs Teams war er aktiv. Natürlich verdiente er, bei den astronomischen Summen, die im US-Profisport heute so hingeblättert werden, mehr Millionen, als er jemals wird ausgeben können. LaRoche hat einen Sohn namens Drake und diesen band er regelmäßig in seinen Terminplan ein, nahm ihn mit zu Spielen, Trainingslagern und Trainingseinheiten. Nun muss man wissen, dass ein Baseball-Profi in den USA den ganzen Sommer über so gut wie nie zuhause ist, weil der Terminplan wirklich anspruchsvoll ist. Dass man also möglichst viele Gelegenheiten nutzen will, um mit der Familie zusammen zu sein, versteht sich. Auch muss man wissen, dass Adam LaRoche selbst der Sohn e...